Mein Name ist Christian Weis. Ich bin gelernter Feinmechaniker und habe über den zweiten Bildungsweg das Fach Mikrotechnik/Optronik mit Studienrichtung optische und optoelektronische Systemtechnik an der Fachhochschule Gießen-Friedberg studiert. Ein paar Eckdaten zu meiner Person sind in einem knapp gehaltenen Lebenslauf zu finden
Wenn man mich fragt, wann mein Interesse an der Astronomie anfing, kann ich kein genaues Datum, nicht einmal das Alter genau angeben. Ich erinnere mich an einen Morgen, an dem ich etwa zu der Zeit aufgestanden bin, als mein Vater zur Arbeit fuhr, also etwa 5:30 Uhr. Damals muss ich so etwa drei oder vier Jahre alt gewesen sein. An diesem Tag war der abnehmende Mond phantastisch zu sehen und ich bestaunte ihn sehr lange. Wie faszinierend diese Kugel doch war...
Mehrere Jahre später, im zarten Alter von neun, bekam ich von meiner Tante zwei Bücher geschenkt: Urzeit und Universum, zwei Kinderbücher aus dem Unipart Verlag. Ursprünglich hatte ich mich zu dieser Zeit eher für Dinosaurier interessiert, und so lag das zweite Buch ein halbes Jahr unbenutzt im Regal. Dann aber nahm ich mich doch des Buches an, und die Begeisterung für das Weltall hat zugeschlagen.
Mein Berufswunsch stand fest: Ich wollte, nein: ich musste Astronom werden! Dieser Berufswunsch fand nach einem harten Schicksalsschlag sein jähes Ende; nicht jedoch die Faszination für die Himmelskunde.
Zu meinem 13. Geburtstag Ende 1994 bekam ich von meiner Mutter den berühmten 60/700 Quelle-Refraktor geschenkt. Gleich an diesem Abend durfte ich den Mond bestaunen; da war sie wieder, die faszinierende kosmische Billardkugel.
Die folgenden vier Jahre konnte ich mit diesem Gerät viele Beobachtungen anstellen, obwohl ich aus heutiger Sicht sagen kann, dass das Objektiv nicht besonders gut war.
Von September 1997 bis November 1998 versuchte ich so oft wie möglich, die Sonnenflecken zu dokumentieren. Insgesamt konnte ich in diesem Zeitraum an 216 Tagen die Sonnenflecken zählen. Im Vergleich mit den Daten aus der Sterne und Weltraum wichen meine Ergebnisse aber leider stets ab. Wie man auf der Zeichnung sieht, habe ich stets zu wenige Flecken gezählt. Obwohl ich damals noch keine weitreichenden Erfahrungen in der Beobachtung hatte, stimmen die Kurvenverläufe aber recht gut überein.
Im April 1998 kam dann nach einem Jahr sparen ein 110/800 Newton, die gute alte Siberia 110 (viele nennen sie auch TAL 1, das finde ich aber so unpersönlich...). Mit diesem Gerät, welches ich auch heute (trotz vorhandenem 18"er) noch benutze, hat mich die Astronomie wohl vollkommen in ihren Bann gezogen.Während ich mit dem kleinen Refraktor schon froh war, dass ich beim Saturn die Lücke zwischen Planet und Ringsystem sehen konnte, so konnte ich in klaren Nächten mit dem 4,3"er sogar die Cassini-Teilung einwandfrei ausmachen. M13 war jetzt nicht nur eben noch zu sehen, sondern als geradezu proppehelles Objekt auszumachen. In guten Nächten konnte ich auch schon einige Dutzend Einzelsterne auflösen. Auf Jupiter konnte ich einmal 8 Bänder zählen und Galaxien bis zu 11m3 habe ich auch schon erkennen können.
Durch meine Ausbildung zum Feinmechaniker und dem damit verbundenen Wissens- und Fertigkeitengewinn konnte ich an dem Teleskop vieles verbessern um die Beobachtungen komfortabler zu machen und das Optimum aus der russischen Optik zu holen. So konnte ich mich durch eine aufgesetzte Kameraplatte erstmals an die Fotografie des Sternenhimmels wagen, die von Beginn an (für die Ausgangsbedingungen, mit denen ich arbeitete) recht erfolgreich war (siehe hier).
Den richtigen Anstoß zur "systematischen Beobachtung" erhielt ich aber erst 1999 auf der 1. Deep-Sky-Tagung auf dem Eisenberg in Nordhessen. Es war das erste Mal, dass ich mit anderen Sternfreunden in Kontakt kam (von ein paar wenigen Besuchen auf einer Sternwarte abgesehen), und trotzdem wurde ich sofort in den Kreis aufgenommen, der gar nicht so "abgeschroben" war, wie ich (aus schlechten Erfahrungen heraus) zu wissen glaubte. Das hat mich schon sehr beeindruckt.
Nachdem ich den Führerschein erlangt hatte und endlich mobil war, beobachtete ich recht oft im 20 Autominuten entfernten Oberlemp auf einer von direktem Licht verschonten Wiese, da bei mir zu Hause eine Straßenlaterne direkt in den Hof hineinstrahlt. Nach einer etwas "hektischen" Begegnung mit einem Wildschwein habe ich dann die Lampe bei mir akzeptiert...
Im Jahre 2001 fuhr ich dann zum ersten Mal auch zum ITV - das Internationale Teleskoptreffen auf dem Vogelsberg. Wie auch hier zu lesen ist, hatte ich das Glück, Frank Leiter kennenzulernen, über welchen ich zur Astronomische Arbeitsgemeinschaft im Kulturring Heuchelheim e.V. kam. Mit meinen dortigen Astrofreunden habe ich bisher schon viele Beobachtungen anstellen können und ihnen verdanke ich auch, dass ich heute mit einem 18"-Dobson beobachten kann.